Kindesspott
Im Schlaf, Kindesmutter, heiliges Bild,
du hast die Nähe in dem Wink,
den du der Hand so flüchtig gibst,
und in der Richtung, die er nimmt,
Liegt eine warme Deutung hin zu
Regungslosigkeit, entlaufend zum
Ufer deines Lebens, suchend die
Quelle, die so unerfüllt dein Sehnen läßt.
Rufe nicht, denn weißt du nicht,
daß es die Abgewiesenheit nur lockt.
Und ganz verlassen zittern deine Blicke.
Und beginnen dich zu trüben.
In dem großen Fluß der alten Frau,
die das Ufer pflegt, schwimmt die Hand
des jüngst Verstorbenen, dessen Andenke
sich nicht in seinem Haus einfand.
Da treibt Holz, gewinnend nach dem Traum trachtend,
den sich die Kleinen auf die Burg am Rand der
Stadt als Fahne gesteckt haben.
Was rufen sie? Hörst du es?
Im Raum erweitet sich das Boot,
setzt Segel aus und ruht.
An dich, du kannst es nicht vernehmen?
Berlin Prenzlauer Berg, 1998