In's Unbekannte

Im Licht, das sich auf die Leideneden senkt,
Schenkt die Freude aus den Wein der Reinigung,
Der nur die Glücklichen im Diesseits kränkt,
Und im Verzicht auf heilende Salbung
den Horizont der Ängstlichen beschränkt.

Auf seinen Wellen, Hoffender, erblickst du Finsternis.
Im Firnis wandelnder Gestirne, im Gold der Sonnenwagen,
Am Ende deines dumpfen Weges, starke Hand, gewiß,
Ist eine neue Flut der Sterblichkeit, wo Helden aus dem Meere ragen,

Wo ihren Köpfen stets zum Trotze eine Schlange würgend unter
Grauem Schleier letzte Tropfen ihres Lebens trinkt
Und still in einer Zeit des Dunkels auf den Grund der Dinge sinkt,
Wo eine sanfte Ruhe auf die Ankömmlinge munter
Wartet, liebkosend in die Arme nimmt und klar verklingt.

Willkommen, Suchender, dein Land ist weit,
Sei gütig, bleibe fromm und höre zu:

Im Kleid des wissenlosen Durstes halte Leid,
Wie ein Spielzeug, das dich weckt, doch selber ruht.
Kühler Wind streicht deine Segel, wo dein Schiff versinkt entzweit.

Bist du bereit?


Berlin Prenzlauer Berg, 1997