Gestalt
Vorbei an mir zieht er als grauer Rauch.
Die Schritte, die als Hall die Luft erfüllen,
vermischen sich mit meinem fernen Atem.
Verhüllt ist sein Gesicht,
Geneigt sein Haupt,
Geschlossen seine Lider.
Und Schweigen soll von ihm erstehen,
Doch da ist schwer der Atem weit zu hören.
So rauscht sein Atem und sein Schritt,
Und ehrfürchtig zieht hinter ihm sein Umhang her.
Gewiß, das Leben ist ihm fremd,
Vergessen ist der Tod, er kennt
Nur noch den Weg, die Ruhe, ihm die Zeit.
Die Traurigkeit ist sein Gewand,
Die Trauer sein Zuhaus.
Kein Tier kreuzt seinen Weg,
Die Menschen sehen nichts.
Als unsichtbarer Schatten schreitet er am Tag,
Die Nacht läßt ihn als Nebel aufersteh'n.
Sein Name ist mir unbekannt,
Doch sehe ich ihn nur zu oft,
Wenn abends ich nach Hause lauf'
Und dann versuche, ihm zu folgen,
Was stets für mich erfolglos bleibt.
Berlin Prenzlauer Berg, 1994