Florenz

Im Bund mit Macht und Launigkeit der Herrscher,
Im Schatten großer Künstler der Geschichte
Und im Triumph des Menschen über Zeit
Erhebt sich dies Stadt, wie eine Schichtung,
deren Flöze straff gezogen Weltenuntergänge miterlebten.

Und an den Mauern, Jahrhunderte alt,
kriechen herab die Klagen und Ängste,
Die Schreie in Freude und Leid ausgestoßen,
zu mir, dem Spaziergänger, der sich duckt und hört.

In den Straßen währt der Tumult der Verehrer,
Schon lange Zeit werden jene geehrt,
die ein Denkmal für Gott trachteten zu errichten
und nun selbst Götter geworden sind und dem
Pulk als Götzen für das Gebet des Fotografierens dienen.

Auf den Märkten mit Buden
Für kaufwilliges Volk
Hocken mit gesenktem Gesicht Zigeuner
und Bettler, den Hut in der Hand und
schweigen in feilschendes Stimmengewirr,
Gelächter, Geschichten der anderen hinein.

Hier schlug einst das Herz der lebendigen Künste,
Wo heute, wie andernorts auch,
Unvergänglichkeit und Blüte einer längst
entschwundenen Zeit, doch sie lebt noch;
sie lebt?, zu bewundern sind und -
zu kaufen sein soll'n.


Florenz, 1997